Freitag, 21. Juni 2019

Sequenz zu Weihnachten

Grates nunc omnes
reddámus Dómino Deo
qui sua nativitáte
nos liberávit de diabólica potestáte.
Huic opórtet ut canámus cum ángelis,
semper sit glória in excélsis.

Dank mögen wir nun alle
sagen Gott, dem Herrn,
der durch seine Geburt
uns befreit hat aus der teuflischen Macht.
Ihm gebührt, daß wir singen mit den Engeln:
Immer sei Herrlichkeit (ihm) in den Höhen!

Mittwoch, 29. Mai 2019

Vigilmesse zu Christi Himmelfahrt

Das Missale Romanum von 2002 - die editio typica tertia des Meßbuchs Pauls VI. von 1969/70 - sieht wieder eine Vigilmesse zu Christi Himmelfahrt vor.

Deren im Missale gebotenen Gesänge sind:

Antiphona ad introitum 
Regna terræ, cantáte Deo, psállite Dómino,
qui ascéndit super cælum cæli;
magnificéntia et virtus eius in núbibus, allelúia. (Ps 67, 33.35)

Ihr Reiche der Erde, singt Gott, psallieret dem Herrn,
der aufgestiegen ist über den Himmel der Himmel;
seine Hoheit und Macht (reicht bis) in die Wolken, halleluja.

Antiphona ad communionem 
Christus, unam pro peccátis ófferens hóstiam,
in sempitérnum sedet in déxtera Dei, allelúia. (Cf. Hebr 10, 12)

Christus, ein einziges Opfer für die Sünden darbringend,
sitzt auf ewig zur Rechten Gottes, halleluja.


Beide Gesänge bietet das "reformierte" Graduale Romanum nicht. Darum hier - und die weiteren Teile ergänzend - die Gesänge der traditionellen Vigilmesse zum Fest im aktuellen Graduale, die freilich größtenteils die des vorangehenden Sonntags sind. (Siehe auch hier.)

IN: Vocem jucunditatis - S. 229

ALL 1: Surrexit - S- 230 
(Beim ersten Alleluja, das Graduale in der Osterzeit, wird das erste "Alleluja" nicht wiederholt. Das Graduale Romanum von 1974 gibt übrigens für die Wochentage der Osterzeit, d. h. für die Messen mit nur einer Lesung, nur einen Allelujagesang nach der Lesung an. Vermutlich wird die 2002 wiedereingeführte Vigilmesse zu Christi Himmelfahrt zwei Lesungen plus Evangelium haben; mir liegt aber kein aktuelles Lektionar vor.)

ALL 2: Exivi - S. 230

OFF: Benedicite gentes - S. 231

CO: Cantate Domino, all. - S. 222

Liturgisches Unterholz 3

Zur Messe am Mittwoch der 6. Osterwoche (5. Woche nach Ostern), d. h. am Vigiltag von Christi Himmelfahrt findet sich folgende Rubrik im Missale des heiligen Johannes XXIII.:

Wo die Verpflichtung zum Chorgebet besteht, werden heute, wenn ein Duplex-Offizium zu feiern ist - nicht nur eines der 1. Klasse, auch ein Semiduplexfest - drei Konventmessen gelesen ("dicuntur"), die erste nach der Terz vom Offizium des Tages, die zweite nach der Sext von der Vigil, die dritte nach der Non von den Bittagen zur Prozession gemäß den Rubriken.
Wenn keine Prozession stattfindet, wird die Messe von den Bittagen in der Vigilmesse kommemoriert.
Wenn aber ein Offizium Duplex 1. Klasse zu halten ist, wird das der Vigil nicht gefeiert ("non fit"), sondern nur das von den Bittagen.
Wenn jedoch das Offizium von der Vigil zu halten ist, wird davon die Konventsmesse gelesen ("dicitur"); doch fällt, wenn die Prozession gehalten wird, die Bittmesse nicht aus.

Siehe dazu den Nachtrag aus Osnabrück hier.

Dienstag, 28. Mai 2019

Bittprozession und Bittmesse

IN LITANIIS MAJORIBUS ET MINORIBUS

Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt wurden auf Anordnung des heiligen Bischofs Mamertus von Vienne (5. Jahrhundert) als Buß- und Bittage begangen, um die durch vielerlei Unglücksfälle gebeugten Christen geistlich aufzurichten. Dieser Brauch verbreitete sich schnell in der ganzen Kirche, die die Bittage am Ende des 8. Jahrhunderts offiziell übernahm.
Der Sinn der Bittage mit ihrer Prozession und dem eigenen Meßformular ist es, Gott um seinen Segen über die Gärten, Felder und Wälder zu bitten. Angesichts des kräftigen Frühlingswachstums vergessen wir nicht, daß die Ernte durch Frost und Hagel u.a. gefährdet ist. Wir sind trotz aller Technik und allem Fortschritt abhängig von der Natur. Auch dürfen wir uns Ihm mit unserem ganzen Leben anvertrauen: Er schenkt uns „unser tägliches Brot“, das heißt alles, was wir zum Leben und Glauben brauchen.
Vertrauensvoll und demütig wenden wir uns zu Gott, dem Geber alles Guten und flehen auch die Heiligen um ihre Fürbitte bei Gott an. (Aus dem "Schott"; Erhellendes auch hier.)

Von Montag bis Mittwoch vor Christi Himmelfahrt begeht die Kirche die Bittage. Der Sonntag davor heißt bei Protestantens - abweichend vom Introitus "Vocem jucunditatis" - "Rogate" ("Bittet!"). Sie wollten also trotz Abschaffung der (Werktags-)Messe nicht auf die Bittage verzichten.

Doch selbst oder gerade die Freunde der Tradition stutzen bei diesem Brauch, der aus dem 5. Jahrhundert stammt: Wieso soll mitten in der österlichen Freudenzeit gefastet, gekniet, auf das Gloria verzichtet und violett getragen werden? Das ist ja gegen die Tradition!

Das ist und war es in der Tat. Die Not muß schon sehr groß oder das Frühmittelalter schon sehr dunkel gewesen sein, als man diese Bußtage in die Osterzeit einfügte; die Römische Kirche hat sich immerhin noch 300 Jahre dagegen gewehrt.

Das Meßbuch 1969/70 sieht an diesen Tagen auch keine Bittmesse mehr vor; die Tage haben - wie alle anderen Wochentage der Osterzeit - eigene Messformulare und Lesungen bekommen, die nichts mit den Bittagen zu tun haben. Man kann natürlich aus den Messen "Pro variis necessitatibus" wählen. 

Auch das Graduale Romanum von 1974 bietet keine "österliche" Bittmesse mehr, wohl aber unter den "Missæ ad diversa" solche "In diversis circumstantiis publicis", unter denen sich "Bittmessen" befinden.

Es sieht so aus, daß man bei der Liturgiereform ganz froh war, sich dieses Fremdkörpers in der Osterzeit entledigen zu können.


Und dennoch, und ach: Gerade weil es eigentlich nicht paßt, ist diese Tradition ja so schön. Und darum haben gerade die jüngeren Christen die Bittage wieder entdeckt, freilich ganz postmodern und echtkatholisch ohne das Fasten.



Darum einige PRAKTISCHE VORSCHLÄGE ZU DEN BITTMESSEN im Ordo Paulinus:



1. Die Bittprozession geht klassisch der Messe voraus. Konstitutiver Bestandteil ist die Allerheiligenlitanei, die durch weitere Gesänge und Gebete ergänzt werden kann. Die Litanei ersetzt im Ordo Paulinus das Kyrie und die Fürbitten der Messe.

Die Prozession wird mit dem Kreuzzeichen und dem liturgischen Gruß eröffnet. Sie ist ein großer Kyrie-Ruf und schließt – ohne Bußakt – mit dem Tagesgebet der Messe ab.  Aus dem folgenden Gebeten und Liedern wählt man ja nach Prozessionsweg ggf. aus.


1.  Lied 878, 1.2 O ihr hochheilgen Gottesfreund

oder 463 Wenn ich, o Schöpfer, deine M.

2.  Allerheiligen-Litanei 556 (entfällt nie)


3.  glorreicher Rosenkranz

n. d. 1. Gesätz 780 Wahrer Gott, wir glauben dir
n. d. 2. Gesätz 779, 4.5 Alleluja, kommt ihr Heiden
n. d. 3. Gesätz 785 Der Geist des Herrn erfüllt das All
n. d. 4. Gesätz 536 Gegrüßet seist du Königin (V-A)
n. d. 5. Gesätz: 525 Freu dich, du Himmelskönigin)

4.  Gesang 402 Danket Gott, denn er ist gut


5.  Weitere responsoriale Lieder zur Auswahl:

332 Die ganze Welt, Herr Jesu Christ
326 Wir wollen alle fröhlich sein

6. Weitere Lieder:

464 Gott liebt diese Welt
466 Herr dich loben die Geschöpfe (Sonnengesang)

7.   Zum Ende der Prozession:

318 Christ ist erstanden



2. Die Messe wird in violetter Farbe - und ohne Gloria ;-) - gefeiert, auf das Knien wird wegen der Osterzeit verzichtet, auf das Fasten ebenso.


3. Das deutsche Meßbuch bietet an diesen Tagen eigene Meßformulare, die aus den "Missæ ad diversa" ausgewählt sind. Zelebriert man auf Latein, liegen die Formulare 28, 30, ggf. 35-37) besonders nahe.


4. Die klassischen Gesänge der Bittprozession und Bittmesse sind im neuen Graduale enthalten:


ANTIPHON vor der Litanei: "Exsurge, Domine" (ohne Vers) - 150

LITANEI: 831 - (paulinische Fassung) 

INTROITUS: Exaudivit - 239

ALLELUJA: Confitemini - 239
OFFERTORIUM: Confitebor - 240
COMMUNIO: Petite - 314


Findet keine Prozession statt, beginnt die Messe unmittelbar mit der Allerheiligenlitanei 556 (dann ohne Bußakt sofort Tagesgebet).

Andernfalls: 
EINZUG: Exaudivit oder 439, 1.2 
BUSSAKT 
KYRIE: 104 /152


5. Im Ordo Gregorianus werden in allen drei Bittmessen Jak 5, 16-20 und Lk 11, 5-13 gelesen. Will man im Ordo Paulinus nicht (Bahn-)Lesungen, mit entweder dem o. g. Alleluja "Confitemini" oder Psalm und Ruf v. d. Ev. vom Tage nehmen, wie im Lektionar für die sechste Woche der Osterzeit angegeben, die, kann man z. B. diese auswählen:

Findet nur eine Bittmesse statt, nimmt man die fettgedruckten Schriftstellen und Gesänge.


LESUNG:

Montag: Ausw. 3: Jak 5, 7-8.16c-18 (ML VIII, S. 241)
Dienstag: Ausw. 1: Phil 4, 6-9 (ML VIII, S. 203)
Mittwoch: Ausw. 2: 1Tim 2, 1-8 (ML VIII, S. 141)

GRADUALE: an allen Tagen:
1. Alleluja "Confitemini" - Graduale 239
oder 2.
GL 46, 1 oder 174, 7 + Ps 85 [84] (ML VIII, S. 299)
Ersatz: Montag: GL 428, 5 Dir will ich Dank bezeugen
Dienstag: GL 403, 2-4 Ermuntert euch und singt ...
Mittwoch: GL 144, 2.3 Erkennt, daß Gott ist unser Herr

V. D. EVANGELIUM: GL 175, 2 + entsprechender Vers

1. (s. o.: Graduale 1. - im Choralamt kein zweites Alleluja)
oder 2.
Montag Ausw. 3: Eph 1, 3 (ML VIII, S. 300)
Dienstag: Ausw. 1: 1Chr 29, 10b.11b (ebenda)
Mittwoch Ausw. 2: Ps 33 (32), 22 (ebenda)

EVANGELIUM:
Montag: Ausw. 3: Lk 11, 5-13 (ML VIII, S. 300)
Dienstag: Ausw. 1: Mt 6, 31-34 (ML VIII, S. 230)
Mittwoch: Ausw. 2: Mt 7, 7-11 (ML VIII, S. 283) 


6. Die FÜRBITTEN werden nur gebetet, wenn die Litanei nicht gesungen wurde:



Fürbitten in der Bittmesse



Lasset uns beten zu Gott,
in dem wir leben, uns bewegen und sind,
um eine gute Ernte und günstige Witterung. *

1 Daß er seine ganze heilige Kirche 

für seine Ernte am Ende der Zeit bereite. *

2a Daß er unser Land

vor allem Schaden bewahre. *

2b Daß er in den Herzen aller

die Dankbarkeit für seine Gaben erwecke und erhalte. *

2c Daß er alle Menschen

zum rechten Gebrauch seiner Gaben führe. *


3 Daß er den Darbenden 
helfende Liebe sende. *

4 Daß er uns Regen und Sonnenschein


zur rechten Zeit gebe,
uns vor Blitz, Hagel und jeglichem Unwetter behüte
und uns eine gute Ernte und das tägliche Brot gebe. *


P Herr, unser Gott,reiche deinen Gläubigen vom Himmel her
deine hilfreiche Hand,
damit wir dich von ganzem Herzen suchen
und empfangen, was wir in rechter Weise erbitten. 
Durch Christus, unseren Herrn.


7. Die Messe wird fortgesetzt:

GABENBEREITUNG Confitebor oder GL 236, 4.5 / GL (MS) 779, 5 / GL 642, 5-7 / GL (MS) 781, 5-7 / GL 469

PRÄFATION von Ostern (z. B. Osterzeit III)

KOMMUNION Petite oder GL 331 / GL 439, 3

(SCHLUSSLIED GL 533, 1.5 / GL 534, 3.4 / GL. 525, 1-4)

Montag, 22. April 2019

Zwei Gebete zur Taufwasserweihe in der Osternacht

Im Missale Pius V. finden sich in der Feier der Osternacht zwei schöne Gebete zur Taufwasserweihe:  

1. Zu Beginn, vor dem eigentlichen Weihegebet:
Omnípotens sempitérne Deus,
adésto magnæ pietátis tuæ mystériis,
adésto sacraméntis;
et ad recreándos novos pópulos,
quos tibi fons baptismátis párturit,
spíritum adoptiónis emítte;
ut quod humilitátis nostræ geréndum est ministerio,
tuæ virtútis impleátur efféctu.
  
Allmächtiger, ewiger Gott,
steh (uns) bei durch die Geheimnisse deiner großen Milde,
steh (uns) bei durch die Sakramente;
und zu den wiederzuerschaffenden neuen Völkern,
die dir der Brunnen der Taufe gebären soll,
sende den Geist der Annahme aus,
damit das, was der Dienst unserer Niedrigkeit zu tun hat,
durch die Wirkung deiner Kraft erfüllt werde.

(Dieses Gebet ist übrigens leicht verändert ins Missale Pauls VI. übernommen worden.)

Dann folgt das lange, im Präfationston gesungene Weihegebet, während dessen der Priester das Wasser kreuzweise teilt, dann drei Kreuzzeichen darüber schlägt, es erneut kreuzweise teilt und in die vier Himmelsrichtungen vergießt, es kreuzweise anhaucht, dreimal die Osterkerze hineintaucht und dabei darum bittet, daß der Heilige Geist in das Wasser herabkomme, und es dann dreimal anbläst, daß es aufwalle. - Großer, archaischer Zauber!

Nach dem Weihegebet wird unter Gebeten Chrisam in das Taufwasser gegossen, dann folgt das Canticum Psalm 41 (42), 2-4: "Wie der Hirsch lechzt nach der Wasserquelle, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir..." - übrigens heißt es "Sicut cervus desiderat" und nicht "Quemadmodum desiderat cervus", wie es in der Vulgata heißt. Palestrina hat seinen Text also aus der Liturgie und nicht aus der gängigen Bibelübersetzung, und so steht er ja auch im Graduale.

Dann folgt dieses nicht ins Missale Pauls VI. übernommene Gebet:

2. Nach dem Canticum:
Omnípotens sempitérne Deus,
réspice propítius ad devotiónem pópuli renascéntis,
qui sicut cervus aquárum tuárum éxpetit fontem:
et concéde propítius,  
ut fídei ipsíus sitis, baptísmatis mystério,
ánimam corpúsque sanctíficet.
  
Allmächtiger, ewiger Gott,
schau gütig auf die Hingabe des wiederzugebärenden Volkes,
das wie ein Hirsch nach dem Brunnen deiner Wasser verlangt,
und gewähre gütig,
daß ihr Glaubensdurst durch das Geheimnis der Taufe
(sie an) Seele und Leib heilige.

Danach wird der Taufbrunnen inzensiert.

Freitag, 19. April 2019

Karfreitagsprozession in Jerusalem

Aus dem 

ORDO PROCESSIONUM
QUAE HIEROSOLYMIS
IN 
BASILICA S. SEPULCRI D. N. JESU CHRISTI
A FRATRIBUS MINORIBUS
PERAGUNTUR

(Ordnung der Prozessionen,
die in Jerusalem
in der Basilika des Heiligen Grabes unseres Herrn Jesus Christus
von den Minderbrüdern [= Franziskanern]
durchgeführt werden)


(Rom 1947)


ORDNUNG DER GRABESPROZESSION 
AM KARFREITAG


I. 
In der Erscheinungskapelle


Die Kantoren stimmen die Antiphon an:
Wir opfern also dir, Vater, diesen geliebten Sohn, diesen Priester und höchsten Hohenpriester, diesen besten und treusten Hirten, der sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer zum Duft der Lieblichkeit.


Dann erfolgt die erste Predigt in italienischer Sprache. Wenn sie beendet ist, stimmen die Kantoren den Psalm Miserere (50/51) an, und die Prozession schreitet zur Kapelle der Kleideraufteilung und zur Säule der Heilandsklagen, wo zwei weitere Predigten gehalten werden.




II. 
Auf dem Kalvarienberg


Wenn die Prozession zum Kalvarienberg kommt und das Kreuz vor dem Kreuzigungsaltar niedergelegt worden ist, wird die vierte Predigt gehalten. Dann geht man zu dem Ort, wo Christus (den Geist) ausgehaucht hat, und das Kreuz wird auf das gespaltene Loch gelegt, wo das Kreuz Christi aufgerichtet wurde. Hier wird die fünfte Predigt in französischer Sprache gehalten. Danach wird von einem Diakon das folgende Evangelium gesungen (Joh 19, 38-42):

Nach dem Vortrag des Evangeliums erfolgt durch zwei Diakone, die Joseph (von Arimathäa) und Nikodemus darstellen, die Abnahme des Bildes des am Kreuz hängenden Christus. Dann wird vom Chor das Responsorium gesungen: 
Der Vorhang des Tempels zerriß und die ganze Erde erbebte. Der Schächer rief vom Kreuz und sagte: Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Reich kommst. Die Felsen zerbarsten und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, standen auf.


III. 
Am Salbungsstein und am Heiligen Grab


Danach wird das Bild des Gekreuzigten auf dem Salbungsstein niedergelegt, wo es mit Duftwasser besprengt und beweihräuchert wird und wo dann eine arabische Predigt gehalten wird.
Wenn das geschehen ist, wird das heilige Bild von vier Priestern zum Heiligen Grab gebracht, und während es vom Zelebranten an diesen heiligen Ort zurückgelegt wird, singt der Chor das Responsorium
Nachdem der Herr beigesetzt war, wurde das Grab versiegelt, indem sie einen Stein an den Eingang des Grabes sollten und Soldaten postierten, die ihn bewachen sollten. Die Obersten der Priester gingen zu Pilatus und baten ihn.

Nach der letzten Predigt in spanischer Sprache wird das Responsorium gesungen:
Christus wurde für uns gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Kreuzestod. Deshalb auch hat Gott ihn erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist.


Oration

Schaue her, wir bitten, Herr, auf deine Familie, für die unser Herr Jesus Christus nicht gezaudert hat, sich den Händen der Sünder zu übergeben und auf sich zu nehmen die Folter der Kreuzes.

Montag, 18. Juni 2018

Der 15. Juli

Einmal abgesehen vom in Deutschland beliebten Fest des heiligen Kaisers Heinrich am 15. 7. (in Bamberg wird es am Todestag, dem 13. 7. gefeiert, was bei der letzten Kalenderreform für die ganze Kirche übernommen worden ist), wird an diesem Tag nach älterem Brauch die Apostelteilung (auch Zwölfbotenfest) gefeiert.

Nun bin ich auf ein weiteres Fest am 15. Juli hingewiesen worden und habe dann gleich noch ein weiteres entdeckt; beide sind für das Heilige Land von besonderer Bedeutung:

Zum einen ist es das von den Kreuzfahrern begangene Fest der Befreiung Jerusalems mit diesen Propria (mittelalterliche Schreibweise):

XV Iulii
In liberatione sancte civitatis Ierusalem (de manibus turchorum)

Introitus
Letare Iherusalem et conventum facite omnes qui diligitis eam, gaudete cum leticia, qui in tristicia fuistis, ut exultetis, et saciemini ab uberibus consolacionis vestre.
V. Laetatus sum in his qui dicta sunt mihi * in Domo Domini ibimus.

Collecta
Omnipotens Deus, qui virtute tua mirabili Ierusalem civitatem tuam de manu paganorum eruisti et Christianis reddidisti, adesto, quesumus, nobis propitius, et concede ut qui hanc sollennitatem annua recolimus devotione, ad superne Ierusalem gaudia pervenire mereamur. Per Dominum.
Allmächtiger Gott, der du durch deine wunderbare Kraft die Stadt Jerusalem aus der Hand der Heiden befreit und den Christen wiedergegeben hast, steh uns, wir bitten, gütig bei und gewähre, daß wir, die wie dieses Fest jedes Jahr mit Hingabe begehen, zu den Freunden des himmlischen Jerusalem zu gelangen verdienen.

Is 60, 1-6

Math 21, 1-9

Secreta
Hanc, Domine, quesumus, hostiam quam tibi supplices offerimus dignanter suscipe, et eius misterio nos dignos effice, ut qui de Ierusalem civitate de manu paganorum eruta hunc diem agimus celebrem, celestis Ierusalem concives fieri tandem mereamur. Per Dominum.
Dieses Opfer, Herr, wir bitten, das wir Flehende dir darbringen, nimm geruhend an. Und durch seinen Dienst mach uns würdig, daß wir, die wir wegen der aus der Hand der Heiden befreiten Stadt Jerusalem diesen Festtag begehen, zuletzt des himmlischen Jerusalems Mitbürger zu werden verdienen.

Postcommunio
Quod sumpsimus, Domine, sacrificium ad corporis et anime nobis proficiat salutem, ut qui de civitatis tue Ierusalem libertate gaudemus, in celesti Ierusalem hereditari mereamur. Per Dominum.
Das Opfer, Herr, das wir empfangen haben, gereiche uns zu des Leibes und der Seele Heil, damit wir, die wir uns über deiner Stadt Jerusalem Freiheit freuen, im himmlischen Jerusalem zu Erben gemacht zu werden verdienen.

Zum anderen finde ich für diesen Tag im Messbuch der Custodie vom Heiligen Land das Fest der Weihe der Grabeskirche.