Montag, 18. Mai 2020

Stellenbeschreibung für einen Priester

Im Missale Papst Pauls VI. gibt es die neu eingeführte Messe "Der Priester für sich selbst". Deren Orationen mit Übersetzung finden sich hier

Das Meßbuch Pius X. (mir liegt die Ausgabe von 1957 vor) kennt eine solche Messe nicht, wohl aber Orationen, die man in einem anderen Meßformular hinzufügen kann. Gedacht sind sie vermutlich vor allem für den Weihetag des Priesters. Hier sind sie:


PRO SEIPSO SACERDOTE

Oratio
Omnípotens et miséricors Deus,
humilitátis meæ preces benígnus inténde:
et me fámulum tuum,
quem, nullis suffragántibus méritis,
sed imménsa cleméntiæ tuæ largitáte
cæléstibus mystériis servíre tribuísti,
dignum sacris altáribus fac minístrum:
ut quod mea voce deprómitur,
tua sanctificatióne firmétur.
Per Dóminum.
Allmächtiger und barmherziger Gott,
beachte gütig die Gebete meiner Niedrigkeit.
Und mich, deinen Diener,
dem du ohne seinen Verdienst
sondern in der Freigebigkeit deiner unermeßlichen Gnade
gewährt hast, den himmlischen Geheimnissen zu dienen,
mache zu einem würdigen Diener deiner heiligen Altäre,
damit, was durch meine Stimme empfangen wird,
durch deine Heiligung gefestigt werde.

Secreta
Hujus, Dómine, virtúte sacraménti,
peccatórum meórum máculas abstérge:
et præsta;
ut ad exsequéndum injúncti offícii ministerium,
me tua grátia dignum effíciat.
Per Dóminum.
Herr, durch die Kraft dieses Sakramentes
wische ab die Makel meiner Sünden,
und gewähre mir, 
damit ich den Dienst des auferlegten Amtes ausüben kann,
mich deine Gnade würdig mache.

Postcommunio
Omnípotens, sempitérne Deus,
qui me peccatórem sacris altáribus astáre voluísti,
et sancti nóminis tui laudáre poténtiam:
concéde propítius, per hujus sacraménti mystérium,
meórum mihi véniam peccatórum;
ut tuæ majestáti digne mérear famulári.
Per Dóminum.
Allmächtiger, ewiger Gott,
der gewollt hast, daß ich Sünder den heiligen Altären diene
und die Kraft deines heiligen Namens lobe,
gewähre mir gütig durch das Geheimnis dieses Sakramentes
die Vergebung meiner Sünden,
damit ich verdiene, deiner Majestät würdig dienstbar zu sein.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Corona-Messe

14. Mai

MESSE AM FEST DER HEILIGEN VIKTOR UND CORONA


Im Martyrologium Romanum von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahre 2004 ist am 14. Mai verzeichnet: „In Syrien die heiligen Märtyrer Viktor und Corona, die zur gleichen Zeit gelitten haben.“ 
Im Martyrologium seines Vorgängers Gregor XIII. aus dem Jahre 1583 steht am gleichen Tag folgender Eintrag: „In Syrien unter Kaiser Antoninus die heiligen Blutzeugen Victor und Corona. Victor wurde vom Richter Sebastianus mannigfachen schauerlichen Peinigungen unterworfen. Corona, die Frau eines Soldaten, begann ihn wegen seiner Standhaftigkeit im Leiden seligzupreisen. Da sah sie zwei Kronen vom Himmel herniederschweben, eine für Victor und eine für sich selbst. Sie erzählte das den Umstehenden. Daraufhin wurde sie zwischen zwei Bäumen zerrissen, Victor wurde enthauptet.“ 
Durch Erzbischof Adaldag von Bremen waren schon im Jahre 965 Jahrhundert Reliquien der heiligen Corona aus Italien in den Bremer Dom gekommen. Ihr Gedenktag am 14. Mai war nicht nur ein „festum chori“, das im kirchlichen Rahmen begangen wurde, sondern auch ein „festum fori“, ein öffentlicher Feiertag mit Arbeitsruhe. 
Im Figurenfries an der Orgelempore des Bremer Doms (siehe auch hier und hier) sind die Figuren der Heiligen bis heute zu sehen. Zeugnis für ihre Verehrung sind auch die Pilgerabzeichen mit der Darstellung der hl. Corona zwischen zwei Palmen, die im Bremer Landesmuseum aufbewahrt werden.


Colleca
Votívos nos, quǽsumus, Dómine, 
beáti mártyris tui Victóris natális semper excípiat: 
qui et jucunditátem nobis tuæ glorificatiónis infúndat 
et tibi nos reddat accéptos.
Conjunctim:
Deus, qui inter cétera poténtiæ tuæ mirácula 
étiam in sexu frágili victóriam martyrii contulísti: 
concéde propítius; 
ut, qui beátæ Corónæ mártyris tuæ natalítia cólimus:
per ejus ad te exémpla gradiámur. 
Per Dóminum. 

* Im Missale Bremense heißt es hier: ut cujus natalícia cólimus:

Tagesgebet
Als (zum heiligen Dienst) Geweihte, Herr,
möge uns der Geburtstag deines seligen Märtyrers Viktor 
stets umfangen: 
Er flöße uns die Freude deiner Verherrlichung ein
und mache uns dir angenehm.
Damit verbunden:
Gott, der du neben den übrigen Wundern deiner Macht 
auch im gebrechlichen Geschlecht 
den Sieg des Martyriums verliehen hast, 
gewähre gnädig, daß wir, 
die wir das Geburtsfest deiner Heiligen Martyrin Corona feiern, 
durch ihr Vorbild dir entgegenschreiten. 
Durch unseren Herrn...


Lectio (Sap 5, 1-5)
Stabunt justi in magna constántia
advérsus eos qui se angustiavérunt,
et qui abstulérunt labóres eórum.
Vidéntes turbabúntur timóre horríbili,
et mirabúntur in subitatióne insperátæ salútis;
dicéntes intra se, pœniténtiam agéntes,
et præ angústia spíritus geméntes:
Hi sunt quos habúimus aliquándo in derísu,
et in similitúdinem impropérii.
Nos insenáti, vitam illórum æstimabámus insániam,
et finem illórum sine honóre;
ecce quomódo computáti sunt inter fílios Dei,
et inter sanctos sors illórum est.

Lesung Weish 5, 1-5


Evangelium (Jo 15, 1-7)
In illo témpore: 
Dixit Jesus discípulis suis: 
Ego sum vitis vera, et Pater meus agrícola est. 
Omnem pálmitem in me non feréntem fructum, tollet eum, 
et omnem qui fert fructum, purgábit eum, ut fructum plus áfferat. 
Jam vos mundi estis propter sermónem quem locútus sum vobis. 
Manéte in me, et ego in vobis. 
Sicut palmes non potest ferre fructum a semetípso, 
nisi mánserit in vite, sic nec vos, nisi in me manséritis. 
Ego sum vitis, vos pálmites: 
qui manet in me, et ego in eo, hic fert fructum multum, 
quia sine me nihil potéstis fácere. 
Si quis in me non mánserit, mittétur foras sicut palmes, 
et aréscet, et cólligent eum, 
et in ignem mittent, et ardet. 
Si manséritis in me, et verba mea in vobis mánserint, 
quodcúmque voluéritis petétis, 
et fiet vobis.

Evangelium Joh 15, 1-7


Secreta
Præséntia múnera quǽsumus, Dómine, 
ita seréna pietáte intuére: 
ut Spíritus sancti perfundántur benedictióne: 
et in nostris córdibus illam dilectiónem válidam infúndant: 
per quam sanctus Victor martyr ómnia córporis torménta devícit.
Alia:
Súscipe, Dómine, quǽsumus múnera, 
quæ in beátae Corónæ mártyris tuæ solemnitáte deférimus: 
cujus nos confídimus patrocínio liberári. 
Per Dóminum.

Gabengebet
Auf die vorliegenden Gaben schaue gnädig herab, 
so bitten wir, o Herr, 
damit sie mit dem Segen deines Heiligen Geistes erfüllt werden 
und in unsere Herzen jene Liebe eingießen,
durch die der heilige Martyrer Viktor 
alle Qualen des Leibes überwunden hat.
Weiteres Gebet:
Nimm an, o Herr, die Gaben, 
die wir darbringen am Fest deiner heiligen Martyrin Corona, 
durch deren Schutz wir Befreiung erhoffen. 
Durch unseren Herrn... (Ordo Novus: Durch Christus, unseren Herrn.)


Complenda
Súmpsimus, Dómine, sancti martyris tui Victóris solemnitáte 
cæléstia sacraménta: 
cujus suffrágiis quǽsumus largiáris: 
ut quod corporáliter gérimus 
ætérnis gáudiis consequámur.
Alia:
Auxiliéntur nobis, Dómine, sumpta mystéria: 
et intercedénte beáta Coróna mártyre tua: 
sempitérna protectióne confírment. 
Per Dominum.

Schlußgebet
Empfangen haben wir, Herr, am Fest deines heiligen Märtyrers Viktor 
die himmlischen Sakramente;
auf seine Fürbitte gewähre uns, so bitten wir, 
daß wir das, was wir leiblich vollziehen, 
in ewigen Freuden erlangen.
Weiteres Gebet:
Hilfe bringen mögen uns, o Herr, die empfangenen Mysterien, 
und auf die Fürbitte deiner seligen Märtyrin Corona 
mögen sie uns durch dauernden Schutz bestärken. 
Durch unseren Herrn... (Ordo Novus: Durch Christus, unseren Herrn.)

Freitag, 10. April 2020

Exultetrolle "St. Bernhard"

Das Ex(s)ultet nach der Vertonung von Erwin Bücken, in Text und Noten leicht korrigiert, zu einer Exultetrolle verarbeitet und dabei mit Bildern versehen, in deren erstem und letztem Motiven aus der ehem. Pfarrkirche St. Bernhard Duisburg-Obermeiderich wiedergegeben sind.

Bitte sehr: die Exultetrolle "St. Bernhard":

Wenn man auf die Links klickt, kommt man zu PDF-Dateien, die auf Dropbox gespeichert sind. Sie erscheinen dort unscharf. 
Wenn man die Maus bewegt, erscheint unten ein grauer Balken, auf dem rechts eine Drucker-Schaltfäche erscheint. Wenn man auf diese klickt, erscheint die PDF-Datei in voller Auflösung. 
Man kann auch einfach den Druck-Befehl drücken (Strg+p / cmd+p). 

Samstag, 21. März 2020

Pure Romanitas: Gabengebet zum Fest des hl. Benedikt

Bei der Zelebration der Messe am 21. März fiel mir die kunstvoll formulierte Secreta (Gabengebet) besonders angenehm auf. Ich habe die Übersetzung so eng wie möglich an das Original angelehnt:

Sacris altáribus, Dómine, hóstias superpósitas
sanctus Benedíctus Abbas, quǽsumus,
in salútem nobis proveníre depóscat.
Die heiligen Altären, Herr, aufgelegten Opfergaben
möge der heilige Abt Benedikt, wir bitten,
zum Heil uns zu werden verlangen.

Die Oration kommt aus dem Commune Abbatum (Messe für heilige Äbte). Sie ist im Sacramentarium Gregorianum Paduense (aus dem 7. Jahrhundert) als Gebet „Super oblatam“ im Zusammenhang mit anderen Orationen unter dem Titel „In Basilicis Martyrum“ verzeichnet, ist also ursprünglich ein Gebet bei einer Märtyrer-Messe.

Samstag, 22. Februar 2020

Liturgisches Unterholz 4

Kathedra S. Petri Apostoli Antiochiæ
Petri Stuhlfeier zu Antiochien

Im Meßbuch von 1957 gibt es noch zwei "Petri Stuhlfeiern": am 18. Januar die von Rom, am 22. Februar die von Antochien, wo Petrus zuerst Bischof gewesen ist. Die Feste wurden im Missale von 1961 zu einem gemeinsamen am 22. Februar zusammengelegt.

Bis 1961 wurde es am 22. Februar ziemlich kompliziert, wenn er außerhalb eines Schaltjahrs auf einen Samstag fiel:

Am Samstag wird - außer in Schaltjahren - das Gedächtnis der vorgezogenen Vigil des Heiligen Matthias hinzugefügt, wie am folgenden Tag notiert.

Und dieses Gedächtnis der Vigil am Samstag geschieht auch außerhalb der Fastenzeit mit dem Evangelium der Vigilmesse als Schlußevangelium.

In diesem Fall wird außerhalb des Chores nach der Terz die Messe vom Fest ohne Gedächtnis der Vigil gelesen, im Chor aber wird nach der Non die Messe der Vigil ohne Gedächtnis des Festes gefeiert unter Hinzufügung der zweiten Oration von der heiligen Maria „Concede“ und der dritten gegen die Verfolger der Kirche oder für den Papst, wie in der Messe der Vigil.

Privatmessen aber können in der Fastenzeit nach Belieben sowohl vom Fest, als auch vom Wochentag als auch von der Vigil gefeiert werden, außerhalb der Fastenzeit sowohl vom Fest als auch von der Vigil, gemäß den Rubriken.

Sonntag, 2. Februar 2020

Darstellung des Herrn: Traditionelle Gebete zur Kerzensegnung

Bei der Meßbuchreform Papst Pauls VI. hat u. a. es die besonderen Feiern wie Darstellung des Herrn oder Palmsonntag besonders getroffen: Die alten reichen (und reichlichen) Segensgebete über die Kerzen bzw. Zweige wurde vollständig entfernt und durch neue ersetzt.

Daher seien hier die Segensgebete über die Kerzen an Darstellung des Herrn mit möglichst wörtlicher Übersetzung wiedergegeben.

Im von Papst Benedikt XVI. herausgegebenen Meßbuch für die heimgekehrten Anglikaner "Divine Woreship - The Missal" sind übrigens die zweite und dritte Oration wieder zu Ehren gekommen.

Die dritte Oration ist wegen ihrer außergewöhnlichen Conclusio/Schlußformel besonders bemerkenswert.

(Im Unterschied zum traditionellen Römischen Missale sieht das "Anglikanisch-Katholische" für Lichtmeß übrigens nicht die Präfation von Weihnachten vor, sondern die von Erscheinung des Herrn oder - nach dem Sonntag Septuagesimæ - die für die Vorfastenzeit, die es im Römischen Ordo nicht gibt.)


In Præsentatione Domini / In Purificatione B. M. V.
Darstellung des Herrn / Mariä Lichtmess

Ad benedictionem candelarum – Oratio Ia
Kerzensegnung – 1. Oration
Domine sancte, Pater omnípotens, ætérne Deus, 
qui ómnia ex níhilo creásti, 
et jussu tuo per ópera apum 
hunc liquórem ad perfectiónem cérei veníre fecísti: 
et qui hodiérna die petitiónem justi Simeónis implésti: 
te humíliter deprecámur; 
ut has candélas ad usus hóminum 
et sanitátem córporum et animárum, 
sive in terra sive in aquis, 
per invocatiónem tui sanctíssimi nóminis 
et per intercessiónem beátæ Maríæ semper Vírginis, 
cujus hódie festa devóte celebrántur, 
et per preces ómnium Sanctórum tuórum, 
benedícere et sanctificáre dignéris: 
et hujus plebis tuæ, 
quæ illas honorífice in mánibus desíderat portáre 
teque cantándo laudáre, 
exáudias voces de cælo sancto tuo 
et de sede majestátis tuæ: 
et propítius sis ómnibus clamántibus ad te, 
quos redemísti pretióso sánguine Fílii tui: 
Qui tecum vivit et regnat 
in unitáte Spíritus Sancti Deus 
per ómnia sǽcula sæculórum.

Heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, 
der du alles aus nichts erschaffen hast 
und durch deinen Befehl durch die Arbeiten der Bienen 
diese Flüssigkeit zur Vollkommenheit des Wachses hast gelangen lassen; 
und der du am heutigen Tag die Bitte des gerechten Simeon erfüllt hast: 
Dich bitten wir demütig, 
daß du diese Kerzen zum Gebrauch der Menschen 
zur Gesundheit sowohl der Leiber als auch der Seelen, 
sei es zu Lande oder zu Wassern, 
durch die Anrufung deines allerheilgsten Namens 
und auf die Fürsprache der seligen immerwährenden Jungfrau Maria, 
deren Fest heute ergeben gefeiert wird, 
und auf die Gebete aller deiner Heiligen 
zu segnen und zu heiligen geruhen mögest. 
Und die Stimme dieses deines Volkes, 
das sie (die Kerzen) ehrenvoll in Händen zu tragen 
und dich singend zu loben ersehnt, 
mögest du erhören von deinem heiligen Himmel her 
und vom Thron deiner Majestät. 
Und gütig sei allen zu dir Rufenden, 
die du erlöst hast durch das kostbare Blut deines Sohnes. 
Der mit dir lebt und herrscht
in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott 
von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Oratio IIa – 2. Oration
Omnípotens sempitérne Deus, 
qui hodiérna die Unigénitum tuum 
ulnis sancti Simeónis in templo sancto tuo suscipiéndum præsentásti: 
tuam súpplices deprecámur cleméntiam; 
ut has candélas, 
quas nos fámuli tui, 
in tui nóminis magnificéntiam suscipiéntes, 
gestáre cúpimus luce accénsas, 
benedícere et sanctificáre 
atque lúmine supérnæ benedictiónis 
accéndere dignéris: 
quaténus eas tibi Dómino, Deo nostro, 
offeréndo digni, 
et sancto igne 
dulcíssimæ caritátis tuæ succénsi, 
in templo sancto glóriæ tuæ 
repræsentári mereámur. 
Per eúndem...

Allmächtiger, ewiger Gott, 
der du am heutigen Tag deinen Einziggezeugten, 
der in deinem heiligen Tempel 
auf die Arme des heiligen Simeon genommen werden sollte, 
dargestellt hast, 
demütig bitten wir deine Milde, 
daß du diese Kerzen, 
die wir, deine Diener, 
zur Erhöhung deines Namens ergreifend 
mit Licht entzündet zu tragen begehren, 
zu segnen und zu heiligen 
sowie mit dem himmlischen Licht des Segens 
zu entzündet geruhen mögest, 
bis wir sie dir, Herr, unserem Gott, würdig darbringend 
und vom heiligen Feuer deiner allersüßesten Liebe entflammt, 
im Tempel deiner Herrlichkeit dargestellt zu werden verdienen. 
Durch ihn...


Oratio IIIa – 3. Oration
Dómine Jesu Christe, lux vera, 
quæ illúminas omnem hóminem 
veniéntem in hunc mundum: 
effúnde benedictiónem tuam super hos céreos, 
et sanctífica eos lúmine grátiæ tuæ, 
et concéde propítius; 
ut, sicut hæc luminária igne visíbili accénsa 
noctúrnas depéllunt ténebras; 
ita corda nostra invisíbili igne, 
id est, Sancti Spíritus splendóre illustráta, 
ómnium vitiórum cæcitáte cáreant: 
ut, purgáto mentis óculo, 
ea cérnere póssimus, 
quæ tibi sunt plácita et nostræ salúti utília; 
quaténus post huius sǽculi caliginósa discrímina 
ad lucem indeficiéntem perveníre mereámur. 
Per te, Christe Jesu, Salvátor mundi, 
qui in Trinitáte perfécta 
vivis et regnas Deus, 
per ómnia sǽcula sæculórum.

Herr Jesus Christus, wahres Licht, 
der du erleuchtest jeden in diese Welt kommenden Menschen, 
gieße deinen Segen über diese Kerzen aus, 
und heilige sie mit dem Licht deiner Gnade; 
und gewähre gütig, 
daß, so wie diese mit sichtbarem Licht entzündeten Leuchten 
die nächtlichen Finsternisse vertreiben, 
auch unsere Herzen, vom unsichtbaren Licht, 
das heißt von des Heiligen Geistes Glanz, erleuchtet, 
von aller Fehler Blindheit freibleiben, 
damit wir mit gereinigtem Auge des Geistes erkennen können, 
was dir wohlgefällig und unserem Heil nützlich ist, 
bis wir nach dieser Welt zwielichtigen Gefahren 
zum unendlichen Licht zu gelangen verdienen. 
Durch dich, Jesus, Christus, Heiland der Welt, 
der du in der vollkommenen Dreifaltigkeit 
lebst und herrschest, 
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Oratio IVa – 4. Oration
Omnípotens sempitérne Deus, 
qui per Móysen fámulum tuum 
puríssimum ólei liquórem 
ad luminária ante conspéctum tuum 
júgiter concinnánda præparári jussísti: 
benedictiónis tuæ grátiam 
super hos céreos benígnus infúnde; 
quaténus sic adminístrent lumen extérius, 
ut, te donánte, 
lumen Spíritus tui nostris non desit méntibus intérius. 
Per Dóminum nostrum Jesum Christum, Fílium tuum: 
qui tecum vivit et regnat 
in unitáte ejúsdem Spíritus Sancti Deus, 
per ómnia sǽcula sæculórum.

Allmächtiger, ewiger Gott, 
der du durch Moses, deinen Knecht, 
die reinste Flüssigkeit des Öles 
zur Nährung der Leuchten vor deinem Angesicht 
beständig zu bereiten befohlen hast: 
Deines Segens Gnade 
gieße über diese Kerzen gütig aus, 
damit/bis sie so darbieten das äußere Licht, 
daß – du mögest es geben – 
das Licht deines Geistes nicht fehle unserem Geist innerlich. 
Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, 
der mit dir lebt und herrscht 
in der Einheit dieses Heiligen Geistes, Gott 
von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Oratio Va – 5. Oration
Dómine Jesu Christe, 
qui hodiérna die, 
in nostræ carnis substántia inter hómines appárens, 
a paréntibus in templo es præsentátus: 
quem Símeon venerábilis senex, 
lúmine Spíritus tui irradiátus, 
agnóvit, suscépit et benedíxit: 
præsta propítius; 
ut, ejúsdem Spíritus Sancti grátia illumináti atque edócti, 
te veráciter agnoscámus et fidéliter diligámus: 
Qui cum Deo Patre in unitáte eiúsdem Spíritus Sancti 
vivis et regnas Deus, 
per ómnia sǽcula sæculórum.

Herr Jesus Christus, 
der du am heutigen Tag, 
in der Beschaffenheit unseres Fleisches unter den Menschen erscheinend, 
von d(ein)en Eltern im Tempel dargestellt worden bist 
(und) den Simeon, der ehrwürdige Greis, 
vom Licht deines Geistes bestrahlt, 
erkannt, angenommen und gesegnet/gepriesen hat, 
gewähre gütig, 
daß wir, von dieses Heiligen Geistes Gnade erleuchtet und belehrt,
dich wahrhaft erkennen und treu lieben. 
Der du mit dem Vater in der Einheit dieses Heiligen Geistes 
lebst und herrschest, Gott 
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Dienstag, 21. Januar 2020

Hymnus "Sol, ecce, lentus occidens"

Der neuzeitliche Hymnus (Text: Anselmo Lentini, † 1989) kommt in der Liturgia Horarum in der Vesper am Mittwoch der II. und IV. Woche im Jahreskreis vor. Das deutsche Stundenbuch ersetzt ihn an beiden Stellen durch „Guter König und Herr“ (nach „Inventor rutili, dux bone, luminis“) – es gibt also keine amtliche deutsche Übersetzung.

Da ich gebeten wurde, den Hymnus zu übersetzen, stelle ich, da die Arbeit nun einmal gemacht ist, hier das Ergebnis der Öffentlichkeit zur Verfügung. Es handelt sich zwar nicht um eine "liturgische Preziose", aber da der Hymnus doch ganz schön ist, bekommt er hier einen Platz.


Sol, ecce, lentus óccidens
montes et arva et ǽquora 
mæstus relínquit, ínnovat
sed lucis omen crástinæ,

mirántibus mortálibus
sic te, Creátor próvide,
leges vicesque témporum
umbris dedísse et lúmini.

Ac dum, tenébris ǽthera
siléntio preméntibus,
vigor labórum déficit,
quies cupíta quǽritur,

spe nos fidéque dívites
tui beámur lúmine
Verbi, quod est a sǽculis
splendor patérnæ glóriæ.

Est ille sol qui nésciat
ortum vel umquam vésperum;  
quo terra gestit cóntegi,
quo cæli in ævum júbilant.

Hac nos seréna pérpetim
da luce tandem pérfrui,
cum Nato et almo Spíritu
tibi novántes cántica.
Sieh, die langsam untergehende Sonne:
Berge, Felder und Meere
verläßt sie traurig. Erneuert
jedoch das Vorzeichen des morgigen Lichtes,

so daß die Sterblichen bestaunen,
wie du, vorsorgender Schöpfer,
Gesetze und Wechsel der Zeiten
den Schatten gegeben hast und dem Licht.

Und während, da die Finsternisse die Himmel
mit Stille bedecken,
das Treiben der Arbeit schwindet,
die begehrte Ruhe gesucht wird,

werden wir, reich an Hoffnung und Glaube
beseligt mit dem Licht deines
Wortes, das von Ewigkeit her ist
der Glanz der väterlichen Herrlichkeit.

Es ist jene Sonne, die nicht kenne
einen Aufgang oder je einen Abend;
von der die Erde begehrt, bedeckt zu werden,
der die Himmel in Ewigkeit jubeln.

Dieses heitere Licht laß uns ewig
doch endlich ganz und gar genießen,
mit dem Geborenen und dem nährenden Geist
dir Loblieder erneuernd (=immer neu singend).